Techno

Stehen statt Sitzen oder Tanzen – Carl Craig und das Sinfonieorchester machen Techno ohne Beats

Carl Craig performt gemeinsam mit dem Sinfonieorchester Basel.

Techno Die einen sind sich gewohnt zu sitzen, die anderen wollen tanzen: Die Erwartungen des Publikums beim musikalischen Zusammenschluss des amerikanischen Techno-Produzenten Carl Craig mit dem Sinfonieorchester Basel gehen auseinander. Beide werden am Donnerstagabend enttäuscht. Die Reithalle der Kaserne ist unbestuhlt, und die Arrangements kommen über lange Strecken ohne Beats aus.

So wollen gerade die im Original wuchtigeren Stücke wie «Technology» oder «Domina» im neuen Orchestergewand nicht wirklich zünden. Dass Craig einen Song nach über sieben Minuten Spielzeit abbricht und neu starten lässt, raubt dem Konzert die Dramaturgie. In der hinteren Hälfte der gut gefüllten Reithalle steigt der Geräuschpegel und verebbt erst wieder, als im letzten Songdrittel die Bassdrum ertönt.

Überhaupt ist der pumpende Kick der unangefochtene König des Abends: Egal, wann er einsetzt, gibt es Szenenapplaus. Da musizieren ein hochkarätiges Orchester (Leitung: Robert Emery) und ein begnadeter Jazz-Pianist (Kelvin Sholar), doch können sie nichts ausrichten gegen die programmierten Beats. Das spürt auch Carl Craig, der zwischen «At Les» und «Desire» verkündet: «Das nächste Mal treffen wir uns wieder im Nordstern.»

Damit zeigt Craig, dass er wenig Vertrauen hat in die eigenen Werke. Dabei sind gerade die stimmungsvolleren Kompositionen, allen voran «Enter the Darkness» und «Sandstorms», sehr geglückt. Die klangmalerischen Stücke, mit denen Craig auf den Golfkrieg reagiert hat, leben vom orchestralen Klangkörper: Die Streicher klingen dicht, die Hörner martialisch und die Perkussion eindrucksvoll. Dass diese Momente rar sind, und die Musiker oft mehr zum Bühnen- als zum Klangbild beitragen, darf man dem Sinfonieorchester nicht zum Vorwurf machen. Das Material von Carl Craig gibt schlicht nicht mehr her.

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