Auf dem modernen Kunstrasen in Erlinsbach (SO) kicken die Junioren. Die Sonne lässt alles im goldenen Licht erscheinen. Ein Geruch von gebratenem Fleisch schwebt über dem Fussballplatz. Er kommt vom Pfadihaus Speuz. Dort sitzen die Leute in der Abendsonne an langen Festbänken. Am Grill kann man etwas zum Essen kaufen, an der Bar ein Bier oder ein Glas Wein bestellen.

Die Sonnenblumen, die zur Dekoration aufgestellt sind, lachen die Besucher freundlich an. Zwischen den Blumen grinsen freche Plüschteufel. Auch sieht man im Publikum die eine oder andere Person mit Teufelshörnern. So könnte man meinen, dass man hier an einem Dorffest mit einem Faible für kecke Teufel gelandet ist.

Paradiesische Kulisse und diabolische Pläne

Kurz vor 20 Uhr hört man einen Trommelwirbel. Jetzt ist es so weit: Das Theater «Alles armi Tüüfel» feiert seine Premiere. Die für die Zuschauer überdachte Tribüne ist gefüllt. Es wird noch geschwatzt, bis OK-Präsident Hans Jürg Müller das Wort ergreift. Die neuste Produktion stehe unter dem Motto «aus der Region – für die Region»: So wäre dieses Theater auch ohne die Arbeit, die von freiwilligen Erlinsbachern geleistet wurde, nicht möglich gewesen. Applaus. Das Theater beginnt.

Aus der Kirche, die auf der Seite offen ist, ertönt Live-Musik. Die Schauspieler betreten die «Bühne». Die nächsten Stunden spielen sich auf dem Dorfplatz einer Ortschaft im Erzbachtal ab. Links sieht man das Gasthaus, rechts die Kirche. In der Mitte steht der Brunnen, in dem die Frauen die dreckige Wäsche waschen werden. Wortwörtlich und im übertragenen Sinn.
Das Stück spielt im 17. Jahrhundert. Zeit der Religionskriege. Die bösen Innerschweizer Katholiken gilt es zu schlagen. Die reformierten Speuzer Männer ziehen in den Krieg.

Glauben Erlinsbacher an den Teufel?

Teuflische Angelegenheit im Erlinsbacher Freilichttheater: Die diesjährige Vorstellung handelt von einem Satans-Lehrling und seinem Traum, der Ober-Teufel zu werden. Tele M1 fragt nach, wie das Publikum zu Luzifer steht.

Der Teufel im Erzbachtal

Just zu diesem Zeitpunkt schickt die Chefteufelin Luzi Vera (Erika Werner) den Teufel-Lehrling Urian (Beat Meister) los. Er soll ihr eine ungetaufte Seele bringen, dann wird er seine verhassten Hörner, den Schwanz und die Ziegenfüsse los und kann in der Teufel-Hierarchie aufsteigen. Er soll ins Erzbachtal gehen, dort «gibt es nur schäbige Dörfer und wer dort wohnen muss, ist ein armer Teufel». So werde er dort ein leichtes Spiel haben.

Der fulminante Auftritt der Teufelin wird durch dramatische Musik, Rauch und rotes Licht untermalt. Wieso die Teufelin mit einem französischen Akzent spricht, bleibt ein Rätsel. Ob sie sich so den negativen Gefühlen, der durch den Französisch-Unterricht traumatisierten Zuschauern, bedienen will? Französisch hin und oder her, die Auftritte der «femme fatale» bleiben beeindruckend.

Der tollpatschige Teufel Urian und das Büsi

Sie lässt den tollpatschigen und begriffsstutzigen Urian im Erzbachtal zurück. Dort, wo nie etwas passiert, ausser, dass dort «früher einmal ein Mammut ins Gras gebissen hat». Während Urian versucht, sich in der «Hölle auf Erden» zurechtzufinden, spaziert eine Katze über die Bühne und verschwindet geschwind in den Büschen, als der Hund Joschi – der auch eine kleine Nebenrolle hat – dem Büsi hinterherspringen will. Dieser ungeplante Zwischenfall lässt das Publikum johlen. Die Wipfel der Bäume rascheln leise im Wind, der Mond leuchtet am Himmel. Hier scheint die Welt in Ordnung zu sein. Die vermeintliche «Hölle auf Erden» hat eine paradiesische Kulisse.

Die Speuzer sind alles gut unterhaltene «armi Tüüfel»

Urian versucht bis zum Schluss, den Speuzern eine Seele abzuluchsen. Dabei stolpert er nicht nur über seine eigene Tollpatschigkeit, sondern wird auch durch einen «himmlischen Beamten», den Erzengel Gabriel (Beat Wernli), herausgefordert. Die Dorfbewohner ahnen nicht, dass sie einen Teufel unter sich haben und die resolute Gastwirtin Magdalena (Trisi Buser) bewirtet gerne den anscheinend wohlhabenden Gast.

Schon in der ersten Szene hat man die Dorfgemeinschaft ins Herz geschlossen. Ihre Naivität und auch unverschämte Vulgarität sind erfrischend und lassen herzhaft lachen. So ist das Gastwirtpaar, Magdalena und ihr Merki (Felix Wüthrich), ein Publikumsliebling, wenn sie wieder in der Gastwirtschaft verschwinden und kurze Zeit später lautes Gestöhne aus der Dorfbeiz tönt.

Verdiente Standing-Ovation

Zum Abschluss werden die schauspielerischen Leistungen verdientermassen durch eine Standing-Ovation gefeiert. Wenn die Erlinsbacher «armi Tüüfel» sind, so haben sie wenigstens höllisch gute Unterhaltung.