Erinnerungen

Bruno Mansers ehemaliger Vermieter: «Die Abgeschiedenheit hier hinten in Kleinlützel gefiel ihm»

Brunone Morandi (links) war Bruno Mansers Vermieter und Freund.

Mitte der 1990er-Jahre suchte der Basler Umweltaktivist Bruno Manser nach einer Wohnung. Sein Weg führte ihn nach Kleinlützel, wo er an der Dorfstrasse ein Studio bezog. Hier lebte er bis zum Frühling des Jahres 2000. Kurz darauf verschwand der Ethnologe im südostasiatischen Dschungel. Mit seinem Vermieter in der Schweiz, Brunone Morandi, verband ihn eine Freundschaft.

Wie sah Ihre erste Begegnung mit Bruno Manser aus?

Brunone Morandi: Ich hatte in der Zeitung gelesen, dass er eine Wohnung mit Balkon sucht. Daraufhin meldete ich mich bei ihm und zeigte ihm das Studio mit Schlafebene in Kleinlützel. Über einen Balkon verfügte es zwar nicht, aber es gab hinter dem Haus einige Bäume, an denen man eine Hängematte aufhängen konnte. Das überzeugte ihn. Der Anbau des Hauses, in dem sich das Studio befand, bestand aus natürlichen Materialien, was er schätzte. Auch gefiel ihm die Abgeschiedenheit hier hinten und die natürliche Umgebung.

Wie wohnte Manser in seinem Studio in Kleinlützel?

Bruno Manser hatte in Kleinlützel seine Residenz, die er immer wieder für Aktionen verliess. In einer davon war ein im Dorf aufgewachsenes Lamm mit dem Namen Gumperli involviert. Er versuchte, mit dem Fallschirm in Malaysia abzuspringen und den Behörden das Lamm als Friedensgeste zu übergeben, was ihm jedoch nicht gestattet wurde. Aufgrund seines Engagements für das Urvolk Penan hatte er Einwanderungsgesetze verletzt, weshalb er sich stellen wollte. Das Studio, in dem er in Kleinlützel lebte, war klein und einfach. Häufig war er im Wald anzutreffen. Der kürzlich verstorbene Basler Friedensaktivist Martin Vosseler war befreundet mit Manser und besuchte ihn einige Male im Schwarzbubenland.

Wie häufig war Bruno Manser in der Wohnung anzutreffen?

Er war oft in Kleinlützel. Es hing jedoch von seinen Unternehmungen ab, wie häufig er zu Hause war. In den Jahren, in denen er hier wohnte, war er sehr aktiv. Einige Male reiste er nach Südostasien, um die Penan zu besuchen. Die schwindende Solidarität untereinander, die er zuletzt beim Urvolk feststellte, bedrückte ihn sehr. Mithilfe von Musikkassetten, auf die er und die Penan Botschaften aufnahmen, konnten sie in Kontakt bleiben, auch wenn er in der Schweiz war.

Was geschah mit dem Studio, nachdem Manser nicht mehr zurückgekommen war?

Vor seiner letzten Abreise bezahlte er die Miete im Voraus für ein halbes Jahr, da er noch nicht wusste, wann er zurückkehren wird. Mit der aktuellen Mieterin, die in Mansers Studio wohnt, werde ich mir den Kinofilm über sein Leben, der am Donnerstag angelaufen ist, anschauen.

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