Schaumwein

Vitalie Taittinger übernimmt das Steuer: Eine Frau in Champagnerlaune

Sie wird die neue Chefin bei Taittinger: Vitalie Taittinger.Bild: Getty

Vitalie Taittinger übernimmt den gleichnamigen Schaumweinhersteller Ende Jahr.

Eigentlich wollte sie Künstlerin werden: Nach der Schule nahm Vitalie Taittinger Zeichenkurse; später betätigte sie sich in ihrem Alleinunternehmen als Illustratorin. Aber so einfach entkommt man seiner Familie nicht - vor allem nicht, wenn man Taittinger heisst. Das ist der Name einer prestigereichen französischen Dynastie, deren Urahn Tettinger aus Österreich eingewandert war. Bis heute sind aus der Winzerfamilie auch namhafte Geschäftsleute, Verlegerinnen, Bürgermeister und Minister hervorgegangen.

Jetzt erhält Vitalie Taittinger ihren Platz in der Ahnengalerie: Die 40-jährige Französin ist dieser Tage diskret zur Vorsteherin des Traditionskonzerns mit Sitz Reims ernannt worden. Auf den Jahreswechsel wird sie verantwortlich für eine Champagner-Produktion mit 150 Millionen Euro Jahresumsatz. Ihre Aufgabe ist es, die Marke in einem unter Druck stehenden Geschäft zu bewahren. Für die Champagner-Branche wird es zunehmend eng.

Im wichtigsten Landesmarkt Frankreich gehen die Verkäufe ebenso zurück wie - brexitbedingt - in Grossbritannien, dem zweitwichtigsten Markt des edlen Sprudels. Die Anzahl der verkauften Flaschen ist seit dem Rekordjahr 2007 (339 Millionen Flaschen) insgesamt auf 302 Millionen im vergangenen Jahr zurückgegangen. Das Branchenkomitee CIVC hat die Ernte pro Hektare heuer auf 10,2 Tonnen Trauben beschränkt. Das soll eine Überproduktion und Preissenkungen verhindern.

Vitalie Taittinger wird also nicht in ein gemachtes Bett fallen. Die energiegeladene Unternehmerin erweckt indes nicht den Eindruck, als würde sie von der Verantwortung erdrückt. Eher tritt sie an, um die Familientradition zu gewährleisten, wenn nicht zu retten.

2005 nahm sie mit einem Mal voll Anteil am Familiengeschehen. Entfernte Verwandte machten ihrem Namen Unehre und verhökerten das Aktienkapital für 2,4 Milliarden Euro an den US-Investor Starwood. Als Vertreterin eines Hauptfamilienzweiges war Vitalie wie ihre Eltern und ihr Bruder Clovis ausser sich. Zum Glück waren die Amerikaner nur an den Hotels und Immobilien des Konzerns interessiert und boten den Champagner Taittinger bald wieder zum Verkauf an. Vitalies Vater Paul-Emmanuel Taittinger konnte die Schaumweinproduktion auf 289 Hektaren Land mit der Hilfe einer Pariser Bank zurückkaufen. Auch seine Tochter holte er zurück. 2015 wurde sie Marketingdirektorin.

Am 1. Januar wird Vitalie Taittinger zur wichtigsten Konzernchefin einer Zunft, in der Frauen seit jeher eine wichtige Rolle spielen. Im 19. Jahrhundert gehörten dazu Louise Pommery, Mathilde Emilie Perrier oder Barbe-Nicole Clicquot Ponsardin - letztere besser bekannt als «Veuve Clicquot». Heute führen die Belgierin Carol Duval-Leroy oder die Französin Véronique Blin eigene Champagner-Hersteller. Keines ist aber so reichhaltig wie Vitalies wachsender Familienbetrieb aus einem Mann, vier Kindern und jährlich 6,5 Millionen Flaschen Schampus.

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